Moringa Oleifera oder der wundersame Meerrettich

Moringa Oleifera ou le miraculeux radis de mer

Der Meerrettichbaum (Moringa oleifera) gehört zur Familie der Moringaceae.

Der deutsche Name Meerrettichbaum, wie auch der englische Name Horseradish Tree, rührt von dem Gehalt an Senfölglykosiden her, die den Wurzeln einen scharfen, brennenden Meerrettichgeruch verleihen. Auch die Engländer "entdeckten" sie während der Kolonialzeit in Indien als Ersatz für Meerrettich.

Der Begriff Behemoth-Nuss rührt daher, dass aus den Samen das Behemoth-Öl gewonnen wurde, ein sehr stabiles Schmieröl, das vor allem in der Uhrenindustrie begehrt war, bevor es vom billigeren Oliven- und Palmöl vom europäischen Markt verdrängt wurde.

Beschreibung

Dieser schnell wachsende Baum mit sommergrünen oder halbimmergrünen Blättern kann eine Höhe von über 8-10 m erreichen. Die Wurzeln sind rübenartig verdickt, der Stamm ist relativ kurz mit einem Durchmesser von bis zu 25-45 cm. Unter bestimmten Anbaubedingungen kann er sich flaschenartig verdicken. Er verzweigt sich in zahlreiche dünnere, leicht hängende Äste, die weit überstehen. Der Stamm produziert ein trapezförmiges Gummi, das dem eines Trapezes ähnelt.

Die wechselständigen, gestielten Blätter sind an den Enden der Zweige zusammengefasst. Sie sind spiralförmig angeordnet, 20 bis 60 cm lang und zwei- bis dreifach gefiedert. Die kurz gestielten, elliptischen oder ovalen bis verkehrt-eiförmigen, ganzrandigen und abgerundeten bis konkaven Teilblätter sind etwa 1 bis 2,5 cm lang und auf der Unterseite heller.

Die Blütenstände sind vielblütige, 10 bis 25 cm lange Rispen, die aus den Blattachseln entspringen. Die Blüten duften (wie Veilchen) und sind cremeweiß bis gelblich.

Die reifen Früchte sind etwa 2 cm breite oder schmale, gerippte, ledrige, braune, längliche, vielsamige, spitze, geschnäbelte Kapseln mit einer Länge von 25 bis 45 (bis über 90) cm, weshalb die Pflanze den englischen Namen Drumstick tree trägt. Sie bleiben lange am Baum hängen und öffnen sich schließlich mit drei Klappen.

Die bis zu 1-1,5 cm großen, dunkelbraunen Samen sind rundlich bis dreieckig und haben jeweils drei papierähnliche Flügel, die bis zu ca. 1-2 cm lang sind.

Präsenz und Standort

Der Baum stammt ursprünglich aus der Himalaya-Region im Nordwesten Indiens, wächst heute aber weltweit in tropischen und subtropischen Regionen - vor allem in Ländern Afrikas, Arabiens, Südostasiens und auf den karibischen Inseln - und wird in Südindien seit Jahrzehnten intensiv angebaut, was man auch - wenn auch sehr langsam - in Ostafrika beobachten kann. Dort wird der Baum jedoch bevorzugt als natürliches Heilmittel in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen eingesetzt.

Der Anbau von Moringa soll nicht nur ein rentables Einkommen als Nahrungs- und Futtermittel liefern, sondern auch der Entwaldung entgegenwirken. In armen Regionen (z. B. in Niger) wird Moringa als erste Nahrungsquelle angebaut, da die Pflanze der Unterernährung in diesen Regionen entgegenwirkt.

In der alten anglo-ostafrikanischen Tradition wird der Baum noch häufig als "Newer deat" bezeichnet, was sich vor allem auf seine fast unzerstörbare Ausdauer in sehr heißen und trockenen Regionen bezieht. Der Meerrettichbaum wächst in warmen und halbtrockenen Klimazonen mit durchschnittlichen Niederschlägen zwischen 250 und 1500 mm/Jahr, aber er wächst auch in Regionen (bis zu 1500 m über dem Meeresspiegel) mit höherer Luftfeuchtigkeit und Jahresniederschlägen von bis zu 3000 mm - dort wächst er jedoch langsamer. Obwohl die Art durchlässige, sandige und leicht lehmige Böden bevorzugt, wächst sie auch auf schweren Lehmböden recht ausdauernd. Sie verträgt sogar kurzzeitigen leichten Frost, der bei längerer Dauer die Wurzelknollen schädigt. Aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaften, die auf die dünnen Blätter und den hohen Natriumgehalt zurückzuführen sind, eignet sich der Baum hervorragend für warme, trockene Regionen und Standorte in voller Sonne.

Es ist wichtig zu beachten, dass Meerrettich keine Staunässe (auch nicht für kurze Zeit) verträgt, da dies die Wurzeln schädigt und das Wachstum verlangsamt, was ein Nachteil für die kommerzielle Nutzung des Baumes ist.

Verwendung

Früchte
Die sehr jungen, unreifen, dunkelgrünen Früchte werden wie grüne Bohnen verwendet und als Gemüse verzehrt. Sie sind in Süd- und Südostasien weit verbreitet. In Südindien sind sie z. B. als Drumsticks in einer sogenannten Sauce beliebt. Diese Früchte werden oft etwa 40 Tage nach der Blüte geerntet, da sie während des Reifeprozesses eine holzige Haut bilden.

Blätter
Die jungen Blätter werden viel seltener als Gemüse gegessen, da ihre Ernte sehr aufwendig ist. Der Saft der Blätter ist jedoch in ganz Indien weit verbreitet und wird regelmäßig als Zusatzgetränk oder im Rahmen der in ganz Asien verbreiteten Saftdiät zur Vorbeugung und Bekämpfung von Unterernährung und deren Folgen verwendet. In Asien und Afrika betrifft dies vor allem die ernährungsbedingte Anämie oder Diabetes (Typ 2). Saftdiäten werden vor allem bei Kindern und älteren Menschen eingesetzt, deren Körper eine Behandlung mit rein chemischen Substanzen nur schlecht oder gar nicht verträgt.
Die Blätter der Pflanze werden auch als Tierfutter verwendet. Wenn sie als Viehfutter verwendet werden, kann unter bestimmten Bedingungen die Gewichtszunahme nachweislich um 32 % und die Milchproduktion um 43 bis 65 % gesteigert werden.

Samen
Die Samen werden gepresst, um eines der stabilsten Pflanzenöle zu gewinnen, das sehr lange haltbar ist und nicht ranzig wird. Die Samen enthalten etwa 40 % ihres Gewichts an Öl.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die Samen zur Aufbereitung von Trinkwasser verwendet werden können. Dazu werden die Samen von ihren Flügeln befreit, geschält, getrocknet und zu einem Pulver gemahlen. Dieses wird dann Wasser zugesetzt, das z. B. aus Flüssen entnommen wurde und daher noch eine große Menge an Schwebstoffen und Bakterien enthält. Ein Fass voll mit diesem trüben Wasser kann mit 200 bis 300 mg Pulver vollständig geklärt werden, wenn es 15 bis 20 Minuten lang langsam und gleichmäßig gerührt wird. Die Schwebstoffe und Bakterien werden dann durch das Samenpulver ausgeflockt und sinken so auf den Boden. Nach eingehenden Untersuchungen kann eine schädliche Wirkung des Pulvers auf den Menschen oder auf Fluss- und Zuchtfische ausgeschlossen werden. Das wasserlösliche Rindengummi des Meerrettichs wird in Indien auch als desinfizierende Grundierung verwendet.

Zutaten

Meerrettich ist ein gutes Beispiel für ein in Asien und Afrika beliebtes Gemüse, das einen hohen Nährwert haben kann. Alle Pflanzenteile, insbesondere die röhrenförmigen Wurzeln, enthalten Senfölglykoside, aus denen bei der Manipulation ein scharfes Benzylsenföl entsteht. Die Rinde der Wurzeln enthält die giftigen Alkaloide "Spirochin" und "Moringin", weshalb sie vor dem Verzehr entfernt werden muss.

Die essbaren Teile der Pflanze, vor allem die Blätter, haben einen hohen Proteingehalt, sind reich an Vitaminen (vor allem Vitamin A und C) und Mineralstoffen (Kalzium, Magnesium, Kalium, Eisen und Natrium). [6]

In der folgenden Tabelle sind verschiedene Inhaltsstoffe von Moringa aufgeführt (bezogen auf 100 g essbaren Anteil). [7]

Zutat Moringa empfohlener Tagesbedarf für einen Erwachsenen
Provitamin A/Carotin 6,780 mg 0,8-1 mg Vitamin A-Retinol (nur tierischen Ursprungs) = 4,8-6 mg all-trans-β-Carotin (pflanzlichen Ursprungs) = 9,6-12 mg andere Provitamine A-Carotinoide (pflanzlichen Ursprungs)
Vitamin C 220 mg 80-100 mg
Kalzium 440 mg 800-1000 mg
Kalium 259 mg 2000 mg
Eiweiß/Protein 6,7 g 0,8 g - Körpergewicht in kg (z. B. 0,8 - 75 = 60 g empfohlener Tagesbedarf)

 

Aufgrund seines schnellen Wachstums, seiner einfachen Anbaumöglichkeiten (die Pflanze lässt sich leicht vegetativ durch Stecklinge vermehren) und seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten waren Meerrettich und andere Moringa-Arten Gegenstand zahlreicher Projekte in Entwicklungsländern in tropischen und subtropischen Regionen, die auf die Herstellung und Vermarktung von Gemüse, Samenpulver oder anderen Produkten abzielten.

Im September 2014 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Moringa oleifera zur traditionellen Kulturpflanze des Monats gewählt. Die FAO möchte damit die Aufmerksamkeit auf Moringa als eine leicht anzubauende, nährstoffreiche Pflanze lenken, die zu lokalen, regionalen und internationalen landwirtschaftlichen Einkommen beitragen kann.

Medizin

Alle Pflanzenteile des Meerrettichs werden in der lokalen und traditionellen Medizin in Indien, Sri Lanka, Java und Afrika verwendet. Der Saft wird zur Stabilisierung des Blutdrucks verwendet. Die Blätter haben eine entzündungshemmende Wirkung. Die Wurzeln werden zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen verwendet.

Das in der Wurzel enthaltene Alkaloid Spirochin und Moringin hat eine bakterizide Wirkung, weshalb seine Verwendung als Antibiotikum[10] sowie im biologischen Pflanzenschutz derzeit geprüft wird. Die langen Kapseln der unreifen Samen sollen ebenfalls medizinische Wirkstoffe enthalten.

Die von Fidel Castro befürwortete Kultur in Kuba

Im Juni 2012 machte der kubanische Revolutionsführer und ehemalige Präsident Fidel Castro Meerrettich und Maulbeerbäume zum Thema einer "Reflexion", die seit seinem Rückzug aus der aktiven Politik in allen kubanischen Medien veröffentlicht wurde. In dem wenige Zeilen umfassenden Text befürwortete er den Anbau dieser beiden Baumarten "in großem Maßstab" und bezeichnete Moringa oleifera als "unerschöpfliche Quelle für Fleisch, Eier und Milch". Einerseits haben die ungewöhnliche Art und Form dieser und anderer neuerer Kommentare des ehemaligen Staatsmannes zu Spekulationen über seinen Geisteszustand geführt.  Andererseits wurde Meerrettich bereits seit ein oder zwei Jahren vor Castros Äußerungen in Kuba mit staatlicher Unterstützung zunehmend als günstige Rohstoffquelle für die Pflanzenmedizin sowie für Nahrungsergänzungsmittel verbreitet und galt dort seit der Empfehlung der höchsten Behörden umso mehr als landwirtschaftlicher Hoffnungsträger. Im Oktober meldete sich Fidel Castro erneut zu Wort und gab detailliertere Informationen zum Meerrettich. Im Dezember 2012, vor der halbjährlichen Sitzung des kubanischen Parlaments, befassten sich die Mitglieder des Ausschusses für Landwirtschaft und Ernährung ausführlich mit den bisherigen Ergebnissen des von Castro geforderten massiven Meerrettichanbaus.


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